StartAktuelle AusgabeKunst & KulturEin bisschen Frieden mit Lucia Moon: Eurovision in Baku

Ein bisschen Frieden mit Lucia Moon: Eurovision in Baku

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Die in Los Angeles lebende Sängerin Lucia Moon möchte Armenien beim kommenden Eurovision Song Contest (ESC) im Mai 2012 in Baku präsentieren. Die 33-jährige Armenierin mit dem bürgerlichen Namen Lucina Babayants wurde in Berg-Karabach geboren und wuchs in Baku auf. Nach den Übergriffen auf Armenier im aserbaidschanischen Sumgait siedelte ihre Familie vorsorglich von Baku nach Armenien über, von wo aus sie vier Jahre später und nach einem Aufenthalt in Moskau nach Los Angeles emigrierte. Die diplomierte Psychologin schreibt seit ihrer Jugend Lieder und ist innerhalb der armenischen Gemeinschaft in den USA durch Konzerte und vor allem durch ihr Album „Lvitsa“ bekannt geworden. Das Album wurde im Jahre 2005 bei den „Armenian Music Awards“ in Los Angeles als „Bestes Internationales Album“ nominiert.

Ihr aktueller Song „Deir Ez-Zor“ ist den Opfern des Völkermords an den Armeniern gewidmet und entstand während der Zeit, als sie ihre Abschlussarbeit in Psychologie schrieb. Die Auseinandersetzung mit den psychischen Folgen von Flucht und Vertreibung führte sie zur armenischen Geschichte und den Aufzeichnungen Armin T. Wegners über die Deportationen und den Massenmord an den Armeniern in der syrischen Wüste. Nach Aussagen der Sängerin und ihres Produzenten aus Armenien, David Iondem, kann und soll das Lied von Einzelpersonen und Institutionen im Rahmen des Anerkennungsprozesses eingesetzt werden. Zurzeit präsentiert David Iondem das Lied armenischen Gemeinden in Europa und erläutert Hintergründe einer möglichen Teilnahme Lucia Moons am ESC. Bislang seien die Reaktionen durchweg positiv ausgefallen und einige Gemeinden aus Deutschland, Prag, Zürich, Genf und Amsterdam hätten sich bereit erklärt, Lucia Moon im Falle ihrer Teilnahme tatkräftig zu unterstützen.

Das Lied, mit dem Lucia Moon am ESC auftreten würde, soll ihr Lebensmotto „Love, Peace and Harmony“ widerspiegeln und wird, so David Iondem, von Frieden und Liebe handeln. Er war es auch, der Lucia Moon nach einigen Treffen in den USA und in Armenien dazu ermutigte, sich für eine Teilnahme beim ESC zu bewerben. Sie sei, so David Iondem, bislang die Einzige, die trotz der Sicherheitsrisiken bereit wäre, in Baku aufzutreten. Nach seiner Einschätzung könnte Lucia Moon wegen ihrer biografischen Verbindung zu Aserbaidschan eine Brückenfunktion erfüllen und zu einer Annährung zwischen den verfeindeten Ländern beitragen. Seiner Einschätzung nach ist die kulturelle Annährung wünschenswert und erforderlich, um der Feindschaft zwischen den Nachbarländern entgegen zu wirken. Auch wenn Aserbaidschan auf die Teilnahme an der Junior Eurovision am 2./3. Dezember 2011 in Jerewan verzichtet habe, sei eine ähnliche Entscheidung aus Armenien nicht erstrebenswert, so David Iondem. Diese Entscheidung steht noch aus, weil den Forderungen nach speziellen Sicherheitsmaßnahmen und -garantien für die armenische Delegation seitens Aserbaidschans bislang nicht entsprochen wurde. Für die armenische Delegation würden - nach aktuellem Stand der Dinge - die gleichen Sicherheitsvorkehrungen gelten wie für alle anderen Teilnehmerländer. Ob diese angesichts der teils aufgehetzten Stimmung in Aserbaidschan gegen Armenien ausreichend sein dürften, ist fraglich. Die Entscheidung darüber wird die armenische Delegation bis Ende dieses Jahres treffen. Sollte Armenien sich für eine Teilnahme entscheiden, würde anschließend die Suche nach einem Kandidaten für Baku beginnen. Und sollte am Ende Lucia Moon ins Rennen geschickt werden, könnte sie in Baku vielleicht sogar mehr als nur „ein bisschen Frieden“ erreichen.


Zur Autorin: Ani Ohanian hat einen Magisterabschluss in Osteuropastudien und arbeite und lebt als freie Autorin in Berlin.

Homepage von Luci Moonhttp://www.luciamoon.com/

http://www.youtube.com/watch?v=Llu6C1mhGQU

 

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