
Die armenische Diaspora kann auf eine bis in das Mittelalter reichende Geschichte ihrer Präsenz im östlichen Europa zurück blicken. Armenische Gemeinden in Städten wie Lemberg und Kamieniec Podolski in der heutigen Ukraine, Elisabethstadt in Siebenbürgen (Rumänien) oder im südrussischen Astrachan’ besaßen nicht nur große Bedeutung für das kulturelle, religiöse und materielle Leben der Armenier Ost- und Mitteleuropas (und darüber hinaus), sondern prägten auch Kultur, Architektur und Wirtschaft ihrer Siedlungsorte.
Andrea Hanke (Redakteurin WDR), Karin Kaci (Drehbuchautorin), Samira Radsi (Regisseurin) und Anita Elsani (Produzentin) beim Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken (v.l.n.r.)haysociety: Frau Kaci, wir gratulieren Ihnen zu Ihrem Film Anduni – Fremde Heimat, der am Donnerstag in die Kinos gekommen ist. In Deutschland sind ja einige Kinofilme bekannt, die das Thema „Armenische Identität in der Diaspora“ behandeln. Neben „Ararat“ von Atom Egoyan oder „Mayrig“ von Henri Verneuil oder aber „Avetik“ von Don Askarian gehört jetzt „Anduni“ zum deutschen Referenzrepertoir für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Wird der Film aber eher als Gastarbeiter-Thematik wahrgenommen? Welche Intention hatten Sie mit dem Drehbuch?
Schicksal: Tabu und TraumaEs hat etwas Schicksalhaftes, dass die Behandlung armenischer Geschichte nicht von der türkischen abgekoppelt werden kann. Der Sammelband „Armenien: Tabu und Trauma“[1] enthält eine gehörige Portion türkische Geschichte. Herausgegeben wurde er von Martin Bitschnau, einem Menschenrechtsaktivisten mit armenischen Wurzeln. Der 1972 geborene Bitschnau setzt sich seit den 1990er Jahren in der Schweiz für eine Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern auf parlamentarischer Ebene ein und lebt seit 2003 in Wien.
Wie viel Ideologie ist für die Phantasie nötig?
Ich möchte einige Gedanken und Gefühle schlaglichtartig zum Ausdruck bringen, die sich beim mir einstellten, nach dem ich den Film „Anduni – Fremde Heimat“ gesehen hatte, also eine Filmerfahrung.
Da ist zuerst ein deutscher Film, der sich mit dem Thema „Armenien“ künstlerisch auseinandersetzt und wurde durch die Film und Medien Stiftung NRW gefördert. Das Drehbuch ist von der Armenierin Karin Kaçı aus dem Kölner Raum.
Auf der Suche nach IdentitätGenrekonventionen mal außen vorgelassen, mit „Anduni – Fremde Heimat“ wurde wieder einmal die deutsche Filmlandschaft um ein weiteres Werk zum Identitätendiskurs des Transnational Cinema erweitert.
Denkt man an „Alemanya“ (2003) von Savas Ceviz, „Almanya – Willkommen in Deutschland“ (2011) von Yasmin Samdereli oder den deutschen Exporthit „Gegen die Wand“ (2004) von Fatih Akin, so versucht sich Anduni in einen thematischen Trend einzureihen, der in der bundesdeutschen Filmförderlandschaft schon längst etabliert und ein festes, zu förderndes Filmgenre darstellt. Doch entfaltet Anduni nicht die gleiche cinematische Schlagkraft wie seine Vorgängerfilme und scheitert stattdessen kläglich an den selbst gesetzten Maßstäben der Erzählung.
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In dieser Ausgabe von HAYsociety sind gute Neuigkeiten zu verkünden. Zwei aktive Frauen aus der armenischen Gemeinschaft in Deutschland, nämlich Frau Jaklin Chatschadorian und Frau Madlen Vartian, werden regelmäßig ihre Analysen und Kommentare in der HAYsociety-Kolumne „Flaschenpost“ zu Wort bringen. Ich möchte mich an dieser Stelle für ihre Bereitschaft bedanken, und ich denke, dass es ein großer Gewinn für die LeserInnen sein wird, das Armenische in dieser Form voranzubringen, denn dies zeigt auch – so meine Hoffnung -, dass Armenier gemeinsam etwas aufbauen können. >> weiter
Der Rückzug ohne Lied.
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