StartAktuelle AusgabeAus Gemeinden und VereinenGrußbotschaft: Vor 20 Jahren für das Leben entschieden

Grußbotschaft: Vor 20 Jahren für das Leben entschieden

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Du bist Armenien!Liebe Armenierinnen, liebe Armenier,

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

Werte Europäer!

Viele von uns sind in einem riesigen Staat mit dem Namen „Union der Sowjetischen Sozialistischen Republiken“ geboren. Wenige haben geglaubt, dass sie jemals den Zerfall dieses Imperiums erleben können.

Als die Sowjetunion die großen Staatsreformen auf den Weg  brachte, spürten wir das Ende des kranken Imperiums. Die alten Wunden haben angefangen wieder zu bluten. Überall herrschte Chaos, Willkür und Brutalität …

Wir, Armenier, nahmen damals unser Schicksal in unsere eigene Hände.

Am 02. September 1991 rief die Volksversammlung in Berg-Karabach die unabhängige Republik aus, und am 21. September desselben Jahres verkündete die gleiche Entscheidung das Parlament in Armenien. Die Entscheidung vom 02. September 1991 wurde am 10. Dezember 1991 mit der direkten Willenserklärung des Volkes in Berg-Karabach, durch das Referendum mit fast 100% der Stimmen bekräftigt. Diese Tage gehören zu den wundervollsten Momenten in der Geschichte der armenischen Nation.

Diese Entscheidungen waren nicht leicht zu treffen. Zeitgleich mit dem Unabhängigkeitsausruf haben wir uns gegen brutale Herausforderung verteidigen müssen. Wir gerieten in die Blockade, ohne Storm, ohne Heizung …  Das ganze armenische Volk sank in den Krieg mit dem Nachbarland. Die aktive Phase des Krieges endete im Mai 1994 mit einem Waffenstillstandsabkommen.

Die Verteidigung unserer Heimat hat das Leben Tausender unserer Brüder und Schwestern gekostet. Sie haben Ihr Leben für die konkrete Verwirklichung unseres unabhängigen Lebens in der Heimat aller Armenier geopfert. Ewiger Ruhm denen, die Ihr Leben für Armenien und Berg-Karabach gegeben haben, ewiger Ruhm den armenischen Müttern, die die Helden unserer Nation in die Welt gebracht haben! Hätten wir Berg-Karabach verloren und dem Aggressor geopfert, so hätten wir das letzte Kapitel der Geschichte der armenischen Nation schreiben müssen. Das heutige Armenien und Berg-Karabach sind das, was wir niemals verlieren und aufgeben dürfen. Das ist das Armenien, wo seit Tausenden von Jahren armenische Kultur gelebt wird, das ist das Armenien, das sich als erstes Land der Welt zum Christentum bekannte. Das ist das Armenien, das seit anderthalb Tausend Jahren eine eigene Schrift hat. Das ist der Berg-Karabach, wo 410 n. Chr. die erste Schule mit Unterricht der armenischen Sprache vom Heiligen Mesrop Maschtoz, dem Erfinder der armenischen Schrift, in dem Kloster Amaras eröffnet wurde. Das ist der Berg-Karabach, wo der Verfasser des ersten Strafgesetzbuches von 1184 der Theologe und Philosoph Mchithar Gosch geboren wurde. Das ist der Berg-Karabach, der vier Marschälle – höchster Offiziersrang – der Sowjetischen Roten Armee während des Zweiten Weltkrieges gegeben hat. Diese sind armenische Länder, die uns nie aufgegeben haben.

Das Recht auf Selbstbestimmung haben wir geltend gemacht, um unsere Existenz zu sichern; um weiter unsere Sprache sprechen zu dürfen; um weiter unsere Religion ausüben zu dürfen; um weiter unsere Kultur entwickeln zu dürfen; um uns als Armenier fühlen zu dürfen, dort, wo unsere Ureltern geboren und gelebt haben.Staatswappen Arzachs

Dank der mutigen Entscheidungen vom 02. und 21. September 1991 haben wir in der Gestalt von Armenien und Berg-Karabach ein Zuhause für alle Armenier geschaffen, wo wir uns als Armenier frei und sicher fühlen können, unsere Kinder im Einklang mit unserer Kultur, unseren Sitten und unserer Religion erziehen können. 

 

Liebe Armenierinnen und Armenier,

es sind schon 20 Jahre, dass wir wieder sagen dürfen – wir haben eine freie Heimat. Die Heimat gilt für uns als das Epizentrum der Energie. Die Jahrhunderte der Diktatur und der permanenten Diskriminierung und Verfolgung der armenischen Identität konnten unsere Entschlossenheit zur Freiheit nicht brechen. Wir waren immer überzeugt, dass wir frei leben dürfen. Wir waren und sind bereit, alles dafür zu tun.

Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse, die wir von Anfang an bis heute erleben müssen, haben wir alle Voraussetzungen für einen modernen Rechtstaat erfüllt. Wir haben eine direkt vom Volk gewählte Legislative, Exekutive, und natürlich haben wir auch die Rechtsprechung.

Im Laufe der letzten 20 Jahre fanden direkte Präsidentschaftswahlen vier mal in Berg-Karabach und fünf mal in Armenien statt, während derer unser Volk die höchsten Amtsträger wählen konnte.

Am 05. Juli 1995 wurde das Hauptgesetz - die Verfassung - durch das Referendum in Armenien bestimmt und durch das Referendum vom 27. November 2006 geändert wurde. Am 10. Dezember 2006 trat die Verfassung auch in Berg-Karabach auf Grund der Willensäußerung des Volkes in Kraft.   Staastwappen der Republik Armenien

 

Liebe Armenier,

liebe Schwestern und Brüder,

die Besonderheit unserer Staatlichkeit liegt darin, dass die Mehrheit unserer Schwestern und Brüder außerhalb der Heimat leben. Von rund 10 Million Armeniern leben momentan etwa 3 Million in Armenien und über 143.000 in Berg-Karabach.

Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen. Unsere Generation hat eine neue Aufgabe, die genauso wichtig ist, wie die vor 20 Jahren getroffene Entscheidung war: Wir müssen unsere freie Heimat entwickeln und weiter aufbauen. Daran müssen wir – alle Armenier der Welt - beteiligt sein, unabhängig davon welche Sprache wir in unserem Alltag benutzen, und wo wir unser Brot in der Welt verdienen. Das ist unsere heilige Verpflichtung gegenüber unseren Vorfahren und für die respektable Zukunft unserer Kinder.

Die Welt kennt uns als die erste Nation, die das Christentum als Staatsreligion eingeführt hat!

Die Welt kennt uns Dank unserer berühmten Künstler, Wissenschaftler, Sportler!

Es ist kein Zufall, dass unsere Schach-Nationalmannschaft die Schachweltmeisterschaft in diesem Jahr für sich entschied. Es spricht für unser intellektuelles Potenzial.  

 

Lieber Armenierinnen und Armenier,

liebe Schwestern und Brüder, 

wir haben heute Anlass den Sieg des Lebens, der Freiheit über den Tod zu feiern, weil wir uns vor 20 Jahren für das Leben entschieden haben!

 

Was brauchen wir heute für unsere Zukunft? Wir brauchen würdige Lebensverhältnisse, Wahrung der primären Menschenrechte, freundschaftliche Beziehungen zu allen Nachbarländern!

Vor allem brauchen wir Frieden!

Wir sind eine Nation des Friedens!

Gott segne Armenien!

Gott segne Artsakh!

Gott segne alle Armenier!

 

Harutyun Grigoryan, LL.M, Foto © PrivatMit besten Wünschen,

Harutyun Grigoryan, LL.M

Repräsentant der Republik Artsakh in Deutschland

 

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Diaspora & Rückkehr

Es ist viel über den Begriff und die Sache „Diaspora“ gesagt worden. Anscheinend ist es so, dass man sich gerade als Mitglied der Diaspora in einem herausgehobenen Sinn mit einer gewissen Permanenz damit beschäftigt, wer man ist und wohin man gehört. Neben dieser Überlegung begegnen einem begriffliche Verwirrungen, dass neben der armenischen Diaspora auch z. B. von der türkischen Diaspora gesprochen wird. >>weiter

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