Das kalendarische Jahr geht zu Ende, die Zeit läuft aber auch auf das Jahr 2015 zu. Man kann sich der Zahlenmagie verpflichtet fühlen oder nicht, aber es wird nichts an der Tatsache zu ändern sein, dass 100 Jahre nach dem Genozid vergangen sein werden. Im Jahr 2014 wird aber auch schon der „Große Krieg“ von 1914 medial unumgänglich präsent sein, und das könnte bereits das Wendejahr für uns Armenier sein.
Angesichts des Bewusstseins der Endlichkeit des eigenen Lebens wird jeder sich fragen müssen, welcher sein Beitrag zur Gerechtigkeit und Restitution gewesen ist. Ohne dies wird es kein Seelenheil geben. Es heißt immer noch einen politisch-juristischen Kampf führen. Kein Mensch ist freiwillig masochistisch und möchte die Schönheit dieser Welt besingen. Das wird uns Armeniern eben verwehrt. Das ist der Skandal. Das Gefühl der Ohnmacht und Schwäche angesichts dieses Fiaskos. Erdogan hat sich für Dersim entschuldigt. Wir wissen, dass es aus taktischem Kalkül war, wenn auch kein Kalkül total ist, dass daraus nicht auch anderes folgen könnte. Die Entschuldigung war in ihrer Form völlig misslungen, wenn man sie z.B. mit der Entschuldigungsform der australischen Regierung gegenüber den Aborigines vergleicht, wie es Taner Akcam in einem AGOS-Beitrag tat. Sie entsprach dem Gehabe eines Straßenmachos. Diese folgenlose Entschuldigung könnte ein Vorgeschmack auf 2015 sein.






Einsame Straße im Snagesur.
Der Rückzug ohne Lied.




