Editorial: Unabhängig und Autonom?

  • PDF
  • Drucken
  • E-Mail

Das Schoghaken-Ensemble wird die Feiern zur Unabhängigkeit folkloristisch färbenEs gilt das 20jährige Jubiläum der Unabhängigkeit der Republik Armenien und Arzachs zu feiern! Deutschlandweit sind viele Veranstaltungen diesem Anlass gewidmet. Die Armenischen Kulturtage in Stuttgart ragen dabei heraus, da die aserbaidschanische Regierung diese und ähnliche Veranstaltungen zu torpedieren versucht – im Kern zwar nicht erfolgreich -, aber diese Attacken zeigen trotzdem Wirkung, wenn Grußbotschaften zurückgezogen werden oder Subventionen nicht zur Verfügung stehen oder auch wertvolle Energien auf der armenischen Seite gebunden werden, um diese Attacken abzuwehren. Diese unterschwellige Krise findet natürlich auch landes-medialen Nachklang. Ob’s mehr der armenischen oder der aserbaidschanischen Seite hilft, kann man schwer abschätzen.

20 Jahre Unabhängigkeit sind eine historisch einmalige Situation für Armenien – die Vormoderne nicht berücksichtigt. Mit 20 gilt man als Person aber auch schon längst als volljährig und eigentlich autonom. Es ist durchaus nicht billig, diese Latte an die armenische Entwicklung anzulegen, und es wäre durchaus lohnenswert, anhand dieses Vergleichs die armenische Entwicklung zu verstehen. Es sind in dieser haysociety-Ausgabe zwei Beiträge, die sich denn auch mit der armenischen Reife beschäftigen. Ein Beitrag beschäftigt sich mit der Rückgabe bzw. Entschädigung des Immobilienbesitzes der armenischen gemeinnützigen Stiftungen in der sogenannten Türkei. Letztes Jahr war bereits große Aufmerksamkeit erzeugt worden, als in der Heilig-Kreuz-Kirche auf der Insel Achtamar im Van-See wieder eine armenische Messe gefeiert werden durfte. Auch dieses Jahr wurde wieder dort die Heilige Messe gefeiert – geschmückt war die Insel wieder mit monströsen türkischen Flaggen. Diese Widerwärtigkeit – Zeichen eines primitiven Besitzanspruchs, der geschundenen Beute – wird wie eine Selbstverständlichkeit hingenommen. Natürlich wird kein in der sog. Türkei lebender Armenier es je wagen, das zum Thema zu machen, auch nicht der Erzbischof Ateschyan nicht, nicht die Zeitung AGOS, sogar aus Deutschland hört man darüber keinen Kommentar. Soviel Verdrängung grenzt schon an Selbstverleugnung. Wann ist die Grenze für Armenier erreicht, wo sie sagen werden: „Nein, bis hier her und nicht weiter!“ Die Kultur des Nein-Sagens müssen wir noch erlernen. Das gehört auch zur Reife.

Religionsunterricht an deutschen Schulen mag für machen nicht weltbewegend erscheinen. Wir haben Erzbischof Karekin Bekdjian gefragt, welchen Religionsunterricht er armenischen Schülerinnen und Schülern empfehlen würde. In unserer armenischen Kirche sind je Empfehlungen keine Fatwas oder päpstliche Verbote. Das mag mit dem Autoritätsverlust der armenischen Kirche zusammenhängen - für manchen ein Segen, für machen ein Fluch. Man muss sich aber schon fragen, was denn für die Armenier heilig ist, wofür sie stehen, was sie ausmacht, was ihre Handlungen motiviert und bindet.

Es lebe der Planet Armenien!

 

 

Newsletter

Hier können Sie sich für den Newsletter von HAYsociety anmelden!

NEUERSCHEINUNG


HAY MEDIA E-BOOKS

Angebot | Publikation

Hay Media

Geschichte der
armenischen Migration

Armenische Anthologie

Unsere Verlage

 

  

  

HAYconsult

Weitere Dienstleistungen bietet unser Servicebereich HAYconsult an:

Armenischunterricht;
Armenienreisen;
Lesungen, Konzerte und Ausstellungen;
Grafik, Präsentation und Internetpräsenz

Sprechen Sie uns an!