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Editorial: Versöhnung geschieht permanent

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Versöhnungsdialogs.

Es ist schon bemerkenswert und global einmalig, dass ein Volk sich immer noch ohne Reue damit rühmt, durch millionenfaches Morden ein Land erobert zu haben, in das es nicht gerufen wurde und das es nicht gebraucht hat. Es ist offensichtlich, dass kein Verbrecher sein Verbrechen freiwillig zugibt. Kann eine Klage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eine Realität schaffen, die da heißen könnte: Bestrafung ohne Anerkennung statt Versöhnung ohne Anerkennung? Muss das Schicksal eines Opfers notwendig an das Schicksal des Täters auch für die Zukunft geknüpft werden und somit der Einbruch des Geschehenen zur eigenen Wahl umgekehrt werden?

Wir müssen uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass es einen unüberbrückbaren Unterschied gibt zwischen subjektiven Absichten und objektiven Folgen. Unabhängig von dem, was Einzelne für einen Versöhnungswunsch haben – zumal diese Prozesse nicht zentral gesteuert werden (können), außer in einem Gerichtsverfahren, und vielfältig ausfallen, da auch der Inhalt der Versöhnung je unterschiedlich interpretiert und verzerrt wird – muss die Basis für ein echtes Vertrauensverhältnis ein Schuldeingeständnis sein, und zwar auf der Ebene des politischen Souveräns, als Selbstausdruck der politischen Gemeinschaft. Das ist die Bedingung der Möglichkeit von Versöhnung. Ein Staat kann nämlich sehr wohl mit privaten Versöhnungsinitiativen leben – und diese instrumentalisieren, solange er in seiner Legitimität nicht in Frage gestellt und zur Verantwortung gezogen wird. Wir haben uns immer schon versöhnt – unbewusst objektiv -, wenn wir z.B. weiterhin die Sprache des Täters sprechen, im eroberten Land des Täters leben, Mischehen mit den Nachkommen der Täter eingehen – eine Tendenz, die in jüngster Zeit erosionsartig zunimmt. Also: Versöhnung geschieht permanent. Aber zu welchem Preis? Welche objektiven Folgen hat diese Realität? In the long run vergessen und gegessen zum Wohl der Täter und Nutznießer?

 

Diaspora & Rückkehr

Es ist viel über den Begriff und die Sache „Diaspora“ gesagt worden. Anscheinend ist es so, dass man sich gerade als Mitglied der Diaspora in einem herausgehobenen Sinn mit einer gewissen Permanenz damit beschäftigt, wer man ist und wohin man gehört. Neben dieser Überlegung begegnen einem begriffliche Verwirrungen, dass neben der armenischen Diaspora auch z. B. von der türkischen Diaspora gesprochen wird. >>weiter

Kommentare

  • Durch die starke Heterogenität der Armenischen Dia... Weiter ...
    13.05.12
  • Lieber Jochen, Wir lieben beide Armenien, für mich... Weiter ...
    05.03.12
  • umfassend beleuchtet, gut geschrieben! Gefällt mir... Weiter ...
    09.01.12
  • Der Kommentar/Filmkritik von "ska" spricht mir aus... Weiter ...
    26.11.11
  • Hallo zusammen, also ich bin zwar kein Mitglied de... Weiter ...
    27.09.11

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