Trägt sich mit goldenen Buchstaben ins Geschichtsbuch ein. © WikipediaDer Pariser Senat hat am Montag trotz aller Drohungen der Türkei ein neues Völkermordgesetz verabschiedet. Der Außenminister der Republik Armenien, Eduard Nalbandian, begrüßte die französische Entscheidung und sagte: „Der Tag, an dem das Gesetz angenommen wurde, trägt sich mit goldenen Buchstaben nicht nur in das Geschichtsbuch der armenisch-französischen Freundschaft ein, sondern auch in die Chronik des Schutzes der Menschenrechte in der Welt.“
Der unerschrockene Intellektuelle. Bernard-Henri Lévy. © WikipediaDer französische Philosoph Bernard-Henri Lévy hat ein Plädoyer für das Anti-Genoziodleugnungsgesetz geschrieben, das in seiner Klarheit und Entschlossenheit nichts zu wünschen übrig lässt.
Genozide gibt es nicht hundertfach, Gott sei Dank, nicht einmal dutzendfach. Es gibt drei, vielleicht vier, wenn man zu den Armeniern, den Juden und den Ruandern noch die Kambodschaner hinzufügt. Und diese drei oder vier Völkermorde mit allem anderen auf eine Stufe zu stellen, das gesetzliche Verbot, sie zu leugnen, als Vorzeichen einer politischen Korrektheit zu deuten, die alsbald eine ganze Reihe von nutzlosen oder perversen Gesetzen über umstrittene Aspekte unseres kollektiven Gedächtnisses erlässt; zu rufen: „Achtung, Sie öffnen eine Büchse der Pandora, aus der alles Mögliche entspringen kann“ – das ist ein ziemlicher Schwachsinn, voller Niedertracht und einer geradezu grotesken Unaufrichtigkeit. >>weiter
Erringung der universellen Menschenrechte. Gemälde von Eugène Delacroix, La Liberté guidant le peuple, Musée du Louvre, Paris: Quelle: Wikipedia
Das Anti-Genozidleugnungsgesetz ist ein politischer Etappen-Sieg der Armenier in Frankreich, ja Frankreich ist ein Freund und Verbündeter der Armenier: Vive la France!
Was hört man im offiziellen Deutschland? Totschweigen! Keine deutschen Politiker[1] und keine relevanten Organisationen haben sich geäußert. In den deutschen Medien wird bereit über türkische Reaktionen berichtet. Es fällt kein einziges Wort zu Deutschland, als sei es gar nicht beteiligt. Immerhin hatte der Bundestag 2005 in einer unheimlich-gespenstischen Resolution die deutsche Mitschuld ausgesprochen. Das ist zumindest als Hintergrundinformation zu erwarten. Aber man hatte die deutsche Verantwortung schon damals bürokratisch entsorgt. Dieses Verhalten macht Deutschland nicht gerade liebenswürdig – und es kann von Armeniern keinen Zuspruch erwarten. Somit ist es nur konsequent, dass Armenier fordern, Deutschland müsse dem französischen Vorbild folgen. Wie dieser Forderung Gewicht verliehen werden könnte, muss zum politischen Ziel werden. Es bleibt aber auch die Frage, warum das Internationale Strafgerichtshof nicht angerufen wird, denn dieses dürfte das stärkste und effektivste Instrument der Bestrafung des Völkermordes selbst sein.
Straßenschild ins Ungewisse. Republik Berg Karabach - Region Schahumjan
Endlich die ersten Bäume an den Berghängen, es wird wieder grün. Weiter unten sehe ich einen Bach sich durch die Wiesen mäandern. Auf den Almen grasen Kühe und Schafe. Frieden. Ich bin in Karvatschar.
Letzte Woche (am 23. November 2011, Anm. Red.) hat sich der türkische Ministerpräsident Erdogan im Namen der türkischen Republik für die Dersim-Massaker von 1937-38 entschuldigt[1]. In seiner Rede zeigte Erdogan offizielle Dokumente, datiert vom August 1939, die beweisen, dass die türkische Regierung militärische Operationen durchführte, die mehr als 13.000 tausend Zivilisten in der Dersim-Region das Leben kosteten. Erdogan nannte diese Ereignisse „die tragischsten Ereignisse unserer jüngsten Vergangenheit“ und fügte hinzu, dass „diese Katastrophe jetzt mutig aufgeklärt werden muss.“
Schicksal: Tabu und TraumaEs hat etwas Schicksalhaftes, dass die Behandlung armenischer Geschichte nicht von der türkischen abgekoppelt werden kann. Der Sammelband „Armenien: Tabu und Trauma“[1] enthält eine gehörige Portion türkische Geschichte. Herausgegeben wurde er von Martin Bitschnau, einem Menschenrechtsaktivisten mit armenischen Wurzeln. Der 1972 geborene Bitschnau setzt sich seit den 1990er Jahren in der Schweiz für eine Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern auf parlamentarischer Ebene ein und lebt seit 2003 in Wien.

Gerechtigkeit für Hrant Dink!
Gerechtigkeit für die Völkermordopfer des Armenischen Volkes!
Donnerstag, 19. Januar 2012
um 18:00 Uhr
Frankfurt am Main, Zeil
(An dem weißen Brunnen)
Organisation: Verein der
Völkermordgegner e.V.,
Frankfurt am Main
Fiasko der Entschuldigung
Das kalendarische Jahr geht zu Ende, die Zeit läuft aber auch auf das Jahr 2015 zu. Man kann sich der Zahlenmagie verpflichtet fühlen oder nicht, aber es wird nichts an der Tatsache zu ändern sein, dass 100 Jahre nach dem Genozid vergangen sein werden. Im Jahr 2014 wird aber auch schon der „Große Krieg“ von 1914 medial unumgänglich präsent sein, und das könnte bereits das Wendejahr für uns Armenier sein. >> weiter
Der Rückzug ohne Lied.
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